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Sommerlicher Wärmeschutz für Privatpersonen

Gut bauen, richtig betreiben und begrünen

In Städten und Agglomerationsräumen entstehen im Sommer vermehrt Hitzeinseln. Es wird zunehmend wichtiger, Gebäude und ihre Aussenräume so zu planen und zu bauen, dass sie möglichst ohne technischen Aufwand behaglich nutzbar bleiben.

Sommerlicher Wärmeschutz in drei Bereichen

Behagliche Temperaturen in Innen- und Aussenräumen sind Voraussetzung dafür, dass unsere Lebensräume ihre Qualitäten behalten. Der «erweiterte sommerliche Wärmeschutz» fasst die Massnahmen zusammen, die dem St.Galler Energiekonzept folgen.

Ziegeldach mit einem Dachflächenfenster, dessen Rollladen heruntergelassen ist

Gebäude

Fenster, Sonnenschutz, Speichermasse und Dämmung bestimmen, wie stark sich Innenräume aufheizen.

  • Anzahl, Ausrichtung, Grösse und Anordnung der Fenster steuern den solaren Wärmeeintrag.
  • Ein aussenliegender Sonnenschutz schützt am besten, feststehende Elemente wie ein Brise Soleil kommen ohne Bedienung aus.
  • Viel Speichermasse in massiven Decken, Wänden und Böden sorgt für verminderte Temperaturschwankungen.
  • In Dachwohnungen hält eine leistungsfähige Dämmung die Wärme im Sommer draussen.
Dicht begrünter Garten mit Bäumen und Sträuchern vor einem Wohnhaus

Aussenraum

Beschattung, Begrünung und Verdunstungskühlung wirken am Gebäude und in seiner Umgebung.

  • Pflanzen beschatten und kühlen an Fassade, Dach und im Aussenraum.
  • Helle Farben und Begrünungen an Fassade und Dach senken die Oberflächentemperatur der Gebäudehülle.
  • Regenwasser auf dem eigenen Grundstück versickern und zurückhalten fördert die Verdunstungsleistung der Bepflanzung.
  • Grosskronige Laubbäume transportieren Wasser aus der Tiefe an die Oberfläche, wovon die weitere Bepflanzung profitiert.
Innenraum mit geöffneter Gittertür und grosser Verglasung zu einem begrünten Aussenraum

Kühlung

Wer richtig baut und begrünt, braucht kaum je eine aktive Kühlung.

  • Die Nachtauskühlung über gegenüberliegende Fenster führt die Raumwärme am effizientesten ab.
  • Umso kühler der Aussenraum gestaltet wird, umso effizienter kann die Nachtauskühlung funktionieren.
  • Passive Kühllösungen über Wärmepumpenanlagen sind kostengünstiger, energieeffizienter und ressourcenschonender als stromfressende Klimaanlagen.

Diese Massnahmen wirken am Gebäude und in seiner Umgebung. Wie Sie sich und andere während einer Hitzewelle direkt schützen, mit Empfehlungen für besonders gefährdete Personengruppen und Hinweisen zu Sport, Arbeit und Medikamenten an Hitzetagen, zeigt der kantonale Hitzeplan.
Hitzeplan Kanton St.Gallen

Quickcheck sommerlicher Wärmeschutz

Sieben Hauptfaktoren bestimmen, wie stark sich ein Raum im Sommer aufheizt. Sie wirken unterschiedlich stark, deshalb zählen wir sie hier unterschiedlich viel: von 29 Punkten für die Verschattung bis zu 1 Punkt für die Dämmart. Zusammen ergeben sie 100 Punkte.

  1. Wie gut sind die Fenster verschattet?29 Punkte

    Der grösste Hebel. Aussenliegender Sonnenschutz hält die Wärme ab, bevor sie in den Raum gelangt.

  2. Wie viel Speichermasse haben die Räume?19 Punkte

    Massive Decken, Wände und Böden nehmen Wärme auf und dämpfen die Temperaturspitzen.

  3. Lässt sich nachts wirksam auskühlen?18 Punkte

    Am besten wirkt die Querlüftung über gegenüberliegende Fassadenöffnungen.

  4. Wie hoch sind die internen Lasten?15 Punkte

    Personen, Beleuchtung und Geräte geben Wärme ab. Je mehr Wohnfläche pro Person, desto geringer die Last.

  5. Wie gross sind die Fensterflächen?13 Punkte

    Grosse Glasflächen bringen viel Licht, aber auch viel solaren Wärmeeintrag.

  6. Wie gut ist die Gebäudehülle gedämmt?5 Punkte

    Vor allem beim Dach zahlt sich eine starke Dämmung im Sommer aus.

  7. Wo liegt die Dämmung?1 Punkt

    Der kleinste Faktor, für den sommerlichen Wärmeschutz aber nicht ganz ohne Wirkung.

Sobald Sie den ersten Faktor beantwortet haben, erscheint hier Ihr Ergebnis. Ab 80 Punkten ist ein Gebäude gut aufgestellt, unter 50 Punkten besteht Handlungsbedarf.

Sommerlicher Wärmeschutz fordern und fördern

Ein Teil der Massnahmen ist im St.Galler Energiegesetz verlangt, ein anderer wird vom Kanton finanziell unterstützt.

Was das Energiegesetz verlangt

  • Neubauten und Umbauten müssen den baulichen sommerlichen Wärmeschutz einhalten. Massgebend sind Wärmespeicherfähigkeit, Verschattung, Fenstergrösse und -orientierung sowie der Sonnenschutz.
  • Der Nachweis erfolgt nach SIA 180:2014 über eines von drei Verfahren: Ausschluss-Kriterien mit Nachtauskühlung, ein vereinfachtes Verfahren oder eine Simulation der thermischen Behaglichkeit.
  • Wer eine aktive Kühlung einbaut, erfüllt zusätzlich Anforderungen an Energieeffizienz, Kaltwassertemperatur und Abwärmenutzung und steuert den Sonnenschutz automatisch.
  • Für den Einbau einer aktiven Kühlung braucht es in der Standortgemeinde ein Baugesuch mit Energienachweis.
Ratgeber zum Energiegesetz im Kanton St.Gallen

Was der Kanton fördert

  • GKGebäudemodernisierung mit Konzept

    Gefördert wird das Verfassen von Konzepten zur energetischen Modernisierung beheizter Bauten, deren Baubewilligung älter als zehn Jahre ist.

  • GPWärmedämmung von Einzelbauteilen

    Gefördert wird die Wärmedämmung von Dach, Wand sowie Wand und Boden gegen Erdreich an Gebäuden, die vor dem 1. Januar 2000 bewilligt wurden.

  • GUGebäude in Etappen erneuern

    Gefördert werden Wärmedämmungen entlang der thermischen Gebäudehülle, der Fensterersatz und allenfalls der Heizungsersatz, wenn das Gebäude danach erneuerbar beheizt wird.

Was für Ihr Gebäude zusammenkommt, rechnet der Fördergeldrechner des Kantons aus. Er weist auch die Beiträge einzelner Gemeinden aus, die zusätzlich zum kantonalen Programm fördern.

Fördergeldrechner des Kantons St.Gallen

Zum Nachlesen

Publikationen der Energieagentur St.Gallen zum sommerlichen Wärmeschutz.

Referenzobjekte

Umgesetzte Beispiele aus dem Kanton St.Gallen und der Ostschweiz, je zwei Seiten.

Zum Weiterlesen

Beiträge aus dem Blog zum Energiekonzept 2030 des Kantons St.Gallen.

Fragen zu Ihrer Liegenschaft?

Ob Neubau, Erneuerung oder Aussenraumgestaltung: Wir geben Auskunft zum sommerlichen Wärmeschutz und zu den Anforderungen des St.Galler Energiegesetzes.

Für Privatpersonen

Fabian Bannwart

Projektleiter nachhaltiges Bauen

Energieagentur St.Gallen

Anfrage senden

Häufige Fragen zum sommerlichen Wärmeschutz

Wie Innenräume ohne Klimaanlage kühl bleiben, was Nachtauskühlung, Brise Soleil und Begrünung bewirken und was im Kanton St.Gallen gilt.

Was ist sommerlicher Wärmeschutz?

Der sommerliche Wärmeschutz umfasst alle baulichen Massnahmen, die eine Überhitzung der Innenräume verhindern, bevor aktiv gekühlt werden muss. Dazu zählen Anzahl, Ausrichtung und Grösse der Fenster, ein wirksamer aussenliegender Sonnenschutz, viel Speichermasse in Decken, Wänden und Böden sowie eine starke Wärmedämmung. Der erweiterte sommerliche Wärmeschutz bezieht zusätzlich den Aussenraum und dessen hitzemindernde Gestaltung mit ein.

Wie halte ich Wohnung und Haus ohne Klimaanlage kühl?

Den aussenliegenden Sonnenschutz konsequent bedienen und die Storen bereits beim ersten Sonnenstrahl am Morgen schliessen, tagsüber die Fenster geschlossen halten und nachts über gegenüberliegende Fenster querlüften. Ergänzend wirken Beschattung und Verdunstungskühlung durch Pflanzen im Aussenraum. Wer richtig baut und begrünt, braucht kaum je eine aktive Kühlung.

Was ist Nachtauskühlung?

Bei der Nachtauskühlung wird die tagsüber in der Raumluft, in Decken, Wänden und Böden gespeicherte Wärme nachts über Fassadenöffnungen (offene Fenster usw.) abgeführt. Am wirksamsten ist die Querlüftung über gegenüberliegende Fenster. Das ist die energieeffizienteste Art, ein Gebäude wieder auf eine behagliche Temperatur zu bringen.

Was ist ein Brise Soleil?

Ein Brise Soleil ist ein feststehendes Sonnenschutzelement vor der Fassade, meist als Lamellen oder als auskragende Platte ausgeführt. Es hält die hochstehende Sommersonne ab und lässt die flach einfallende Wintersonne weiterhin in den Raum. Weil es fest zur Fassade gehört, ist es windunabhängig und muss nicht bedient werden.

Was bringen Dachbegrünung und Fassadenbegrünung gegen Hitze?

Begrünte Dächer und Fassaden heizen sich deutlich weniger auf als nackte Oberflächen und kühlen ihre Umgebung durch Verdunstung. Sie reduzieren die Aufheizung der Gebäudehülle und des Umfelds. Ebenso halten sie das Regenwasser zurück, damit es vor Ort verdunsten kann.

Welche Rolle spielt die Speichermasse im Gebäude?

Viel Speichermasse in massiven Decken, Wänden und Böden sorgt für verminderte Temperaturschwankungen. Materialien mit hoher Wärmespeicherfähigkeit nehmen tagsüber Wärme aus der Raumluft auf, ohne sich selbst stark zu erwärmen, und dämpfen so die Temperaturspitzen. Nachts wird diese Wärme über die Nachtauskühlung wieder abgeführt.

Wann ist eine aktive Kühlung trotzdem sinnvoll?

Passive Kühllösungen über Wärmepumpenanlagen sind kostengünstiger und effizienter als aktive Klimaanlagen. Sinnvoll ist eine aktive Kühlung erst dort, wo die Massnahmen zum erweiterten sommerlichen Wärmeschutz ausgeschöpft sind und Nutzung oder Bestand keine andere Lösung zulassen. Umso kühler der Aussenraum gestaltet wird, umso effizienter funktioniert zudem die Nachtauskühlung.

Was gilt im Kanton St.Gallen beim Nachweis?

Das St.Galler Energiegesetz stellt Anforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz von Neubauten und Erneuerungen. Der Ratgeber «Sommerlicher Wärmeschutz» der Energieagentur St.Gallen erläutert Anforderungen, Nachweise und die Umsetzung in der Praxis. Bei Fragen zu Ihrem konkreten Projekt geben wir Ihnen gerne telefonisch Auskunft.